Vordere Querlenker

Wie im Beitrag „Spurstangen“ bereits erwähnt, wollte ich meine Vorderachse etwas weitergehend überholen und auch die Querlenker gegen verstärkte Teile austauschen. Also bestellte ich im Juni 2017 alle notwendigen Teile und wollte mich ans Werk machen. Im Normalfall braucht man nur die Hydrolager der Querlenker zu wechseln, da diese das stärkste Verschleißteil am Querlenker sind. Zum Wechsel der Hydrolager werde ich noch einen folgenden Post schreiben.
Neue Querlenker findet man von den unterschiedlichsten Firmen, ich würde wie schon mehrfach erwähnt immer Lemförder oder Meyle empfehlen. Da ich verstärkte Anbauteile haben wollte, entschied ich mich für die verstärkten HD Querlenker von Meyle (Unterschiede zu dem normalen Querlenker seht ihr später).

Querlenker übertragen die Querkräfte zwischen Rad und Fahrzeugkörper. Zum Übertragen der Längskräfte sind die Lenker flächig (Dreiecks- oder Trapezlenker) ausgeführt, so dass sie breit am Fahrzeugkörper und bei nicht gelenkten Rädern auch am Radträger gelagert werden. Im Falle meines BMW reden wir von Dreieckslenkern an der Vorderachse, also an den gelenkten Rädern.

Da mir der Umbau so einige Probleme gemacht hat und ich oft und laut geflucht habe, sind die Bilder nicht ganz konsistent. Ich habe teilweise Bilder von der linken und rechten Seite gemischt, die auch einen zeitlichen Verzug hatten. So habe ich z.B. in der Zwischenzeit die Spurstangen gewechselt, um mal etwas Ablenkung zu haben 😉 Deshalb verzeiht es mir bitte, wenn die Bilder etwas „springen“. Ich hoffe aber, dass so die bestmögliche Dokumentation gegeben ist.

 

Um an die Querlenker zu kommen, muss erst mal der Wagen an der Vorderachse aufgebockt werden, der Unterbodenschutz entfernt werden (links auf dem Bild; wird mit 9 kleinen Schrauben am Unterboden gehalten) und die untere Versteifung (rechts auf dem Bild; wird mit 4 größeren Schrauben gehalten) abbauen.

 

Und schon hat man freie Sicht auf den alten Querlenker. Hier könnt ihr auch schön die Dreiecksform des Lenkers sehen.
In der Theorie ist die Demontage des Querlenkers sehr einfach:

  1. Abschrauben und lösen des Traggelenks vom Achsschenkel (auf dem Bild das rechte Gelenk).
  2. Abschrauben und lösen des Kugelgelenks von der Motorhalterung (das Gelenk in der Mitte des Querlenkers).
  3. Abschrauben und lösen des Hydrolagers (auf dem Bild hinten das „runde Ding“).

Soweit zur Theorie… 😉

 

Die Praxis ist viel schwerer…
Auf dem Bild seht ihr die Schraube des Kugelgelenks, als in der Mitte vom Querlenker. Mir war schon ziemlich klar, dass einige Schrauben sehr verrostet sein würden, weshalb ich erst mal versucht habe alle oben genannten Schraubverbindungen zu lösen, bevor ich ein Gelenk gelöst habe. Und ich sollte mit meiner Vermutung richtig sein. Auf beiden Seiten war die Mutter vom Kugelgelenk derart verrostet, dass ich sie selbst mit viel Rostlöser nicht abbekommen habe.
Das Problem ist hier, dass nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht, um diese Schrauben zu lösen.  Man hat zwei Möglichkeiten.

1. Oben durch den Motorraum:

  • Dann mit einer Ratsche, zwei Verlängerungen, einem Gelenk und eben der richtigen Nuss (dies bedeutet, dass nur sehr wenig Kraft von der Ratsche über die Verlängerungen und das Gelenk an der Schraube ankommt…).
  • Auf der rechten Fahrzeugseite kommt man dann relativ einfach an die Schraube.
  • Auf der linken Fahrzeugseite sollte zuerst der Luftfilter demontiert werden.

Durch die sehr geringe Kraftwirkung hatte dies bei mir keinen Erfolg.

2. Von unten mittels eines Maulschlüssels:

  • Je nach Seite stehen einem dann nur wenige Zentimeter Bewegungsspielraum mit dem Maulschlüssel zur Verfügung.
  • Demnach kann auch nur wenig Kraft auf den Maulschlüssel ausgeübt werden.

Die Methode hat bei mir auch nicht geklappt.

Also, was musste getan werden?

Für mich blieb nur noch eine Möglichkeit: Die Muttern mit einem Mutternsprenger aufknacken.

 

Auf dem Bild seht ihr den Mutternsprenger und die bereits geknackte Mutter. Der Mutternsprenger wird um die Mutter gelegt und mittels mechanischer Kraft ein Keil in die Mutter getrieben, welcher diese aufschneidet bzw. „aufsprengt“. Dies erfordert einiges an Kraft, ist aber sehr wirkungsvoll.
Was auf dem Bild nicht zu sehen ist, war das Problem, dass der Mutternsprenger nicht so einfach an die Mutter des Traggelenks angesetzt werden konnte, da ca. einen halben Zentimeter neben der Mutter das Motorlager sitzt… Wenn der Mutternsprenger nicht gerade aufgesetzt werden kann, rutscht er ab und man hat keine Chance. Demnach musste ich zusätzlich noch das Motorlager ausbauen (und gleich ein Neues einsetzen), bevor ich an die Mutter kam. Das Ganze zeige ich euch dann in einem der folgenden Posts.

 

Sind die Muttern alle gelöst kommt wie bei den Spurstangen wieder die Trenngabel zum Einsatz. Ich möchte nochmal erwähnen, dass die Trenngabel nur genutzt werden sollte, wenn die Teile komplett erneuert werden, da die Trenngabel zumeist die Gelenke zerstört. Soll z.B. der Querlenker wieder eingebaut werden, muss ein Gelenkausdrücker verwendet werden.

Beim Querlenker bitte zuerst das Traggelenk am Achsschenkel lösen, dann das Kugelgelenk in der Mitte und zum Schluss das Hydrolager. Auf dem Bild steckt die Trenngabel im zweiten Schritt, also im Traggelenk. Hält man sich nicht an diese Reihenfolge macht man nichts kaputt (wenn man es richtig macht), hat jedoch keine Spannung auf dem Querlenker und muss wesentlich mehr Kraft aufwenden.

 

Rechts seht ihr den ausgebauten alten Querlenker und links den neuen Meyle HD Querlenker mit den noch nicht eingepressten schwarzen Powerflex Lagern.
Hier sehr ihr auch sehr schön den Unterschied zwischen HD (verstärkt) und eben normal. Der Querlenker ist viel mächtiger und stabiler. Außerdem sind die Gelenke ebenfalls verstärkt (ist eher schwer zu erkennen).

 

Anbei nochmal ein Bild vom Unterboden ohne den Querlenker. Bevor nun der neue Querlenker montiert wird, sollten die Auflagepunkte am Achsschenkel, Motorträger und vom Lager mit einer Drahtbürste etwas gesäubert werden.

 

Der Einbau des neuen Querlenkers geschieht im Prinzip in umgekehrter Reihenfolge:

  • Neues Querlenkerlager einpressen und an der Querlenker pressen (folgender Post).
  • Den Querlenker ansetzen, die Gelenke in die Führungen drücken und am besten zuerst die zwei Schrauben vom runden Querlenkerlager leicht montieren.
  • Dann die Schrauben vom Kugelgelenk und vom Traggelenk festschrauben.

Am besten nicht direkt eine der Schrauben komplett festziehen, sondern die obigen Schritte immer Stück für Stück wiederholen, damit sich der Querlenker gerade in die Führungen zieht und nichts verkantet.

Wichtig ist auch noch, dass das Trag- und das Kugelgelenk beim festziehen der Schrauben durchdrehen könnte. Wenn das der Fall ist, dann einfach einen Wagenheber unter dem jeweiligen Gelenk ansetzen und etwas aufbocken. Dann sitzt das Gelenk fest und die Mutter kann angezogen werden.

 

Beim Kugelgelenk kann diesmal von oben durch den Motorraum gearbeitet werden. Zum schlussendlichen festziehen der Mutter empfehle ich aber von unten zu arbeiten, da hier mehr Kraft aufgewendet werden kann.

 

Hier das Traggelenk.

Generell sollten alle Muttern mit einem Drehmomentschlüssel festgezogen werden (die Drehmomente habe ich gerade leider nicht im Kopf). Beim Kugel- und beim Traggelenk kommt man jedoch nicht mit einem Drehmomentschlüssel hin. Hier bin ich wieder der Meinung, dass ein geübter Schrauber die notwendigen Drehmomente im Gefühl haben sollte 😉

 

Und hier das neue Powerflex-Lager.

 

Zum Schluss wieder die Versteifung montieren (mit den verstärkten Bauteilen ist das alles etwas enger bemessen) und fertig ist der Wechsel.

 

Das hört sich jetzt alles ganz einfach an, ist jedoch ein Haufen Arbeit. Besonders wenn wie bei mir die Muttern des Traggelenks nicht wollen… 🙁

Anbei nochmal die Posts auf Tätigkeiten, die zum Wechsel des Querlenkers bei mir unabdingbar waren: