Spurstangen wechseln

Im Sommer 2017 wollte ich ein wenig die Vorderachse vom BMW überholen. Hierzu zählen u.a. die Spurstangen(köpfe). Ich hatte zwar erst vor kurzem neuen TÜV bekommen, damit war gesichert, dass die Lager/das Gelenk der Spurstangen noch in Ordnung waren, trotzdem wollte ich mir neue einbauen, um dem Wechsel in absehbarer Zeit vorzubeugen.

Die Spurstangen sind Teil der Lenkung und verbinden den Achsschenkel mit dem Lenkgetriebe. Mittels der Spurstangen kann die Spur der Achse (also die Stellung vom linkem und rechtem Rad zueinander) eingestellt werden. Im Normalfall ist nur ein Wechsel der Spurstangenköpfe notwendig, da hier das Lager/Gelenk liegt, welches dem meisten Verschleiß ausgesetzt ist. In meinem Fall wollte ich aber die komplette Spurstange tauschen (dies ist meiner Meinung nach auch einfacher, Erläuterung folgt weiter unten).

Wie bei allen Ersatzteilen gibt es die verschiedensten Hersteller. Wenn ich nicht gerade verstärkte Teile an mein Ringtool baue, dann bin ich ein Fan von namhaften Herstellern, die eine Erstausrüsterqualität besitzen. Bei den Spurstangen (wie auch bei vielen anderen Teilen) würde ich immer zu Lemförder tendieren. Das Problem bei mir war nun, dass mein BMW ein Vorfaceliftmodell ist und die Spurstangen sich vom den Faceliftmodell wohl unterscheiden… Bei meinem Vorfaceliftmodell waren die Spurstangen von Lemförder nicht direkt lieferbar. Ein Liefertermin konnte mir nicht genannt werden, und ich weiß, wie so etwas endet: man wartet ewig… 🙁
Ich habe mich dann für Spurstangen von der Firma TRW entschieden. Diese haben ebenfalls eine Erstausrüsterqualität und sind wohl vergleichbar mit den Lemförderteilen. Im Endeffekt wird es wohl die Schnelligkeit des Verschleißes zeigen.

 

Hier sehen wir nun (mittig bis rechts oben) die alte Spurstange. Sieht allgemein schon etwas mitgenommen aus…
Um an die Spurstange ran zu kommen, sollte zuerst der Unterbodenschutz (ich glaube durch 9 Schrauben gesichert) entfernt werden. Weiterhin muss die Versteifung unter dem Motor (mit 4 Schrauben gesichert) entfernt werden. All dies wurde bereits auf dem Foto entfernt.
Direkt in der Mitte des Bildes ist auch noch der originale Querlenker zu sehen. Dieser wird dann im nächsten Schritt getauscht.

 

Und hier nochmal die Spurstange direkt vom Achsschenkel aus fotografiert.

 

Um die Spurstange zu demontieren muss zuerst die Mutter am Achsschenkel gelöst werden (Rostlöser hilft hier!). Nun lässt sich die Spurstange allerdings nicht einfach lösen, da sie noch mit dem Gelenk fest in der Achsschenkelaufnahme steckt. Entweder man muss mit gezielten und kräftigen Hammerschlägen die Spurstange lösen, oder man besorgt sich einen Gelenkausdrücker oder eine Trenngabel (siehe Bild). Die Trennkabel ist meiner Ansicht nach die einfachere und vielseitigere Methode, da die Trenngabel fast überall angesetzt werden kann. Gelenkdrücker sind da teilweise schon schwieriger anzusetzen. Das große Problem der Trenngabel ist, dass man damit das vorhandene Lager an dem Spurstangenkopf beim Abbau zerstört. Dies war mir jedoch egal, da ich den Kopf bzw. die Stange ja sowieso wechseln wollte.
Wie funktioniert nun die Trenngabel? Sehr einfach: Die Trenngabel zwischen die Achsschenkelaufnahme und das Gelenk stecken und dann mit dem Hammer hinten drauf hauen. Teilweise muss die Gabel auch etwas versetzt angesetzt werden und irgendwann hüpft dann das Gelenk aus der Führung.

 

Sobald das Gelenk aus der Führung ist, kann der Staubschutz entfernt werden (nur mit zwei Rohrschellen gesichert) und die komplette Spurstange mit einem Großen Maulschlüssel oder zur Not einer Rohrzange abgeschraubt werden. Das Bild zeigt die bereits demontierte Spurstange. In der Mitte oben ist nur noch das Lenkgetriebe zu sehen, in welches die Spurstange geschoben wird.

 

Oben seht ihr nun die alte Spurstange und unten die noch nicht zusammengebaute neue Spurstange. Die neue Spurstange besteht aus folgenden Teilen (links nach rechts): Spurstangenkopf, Sprengring, Spurstange, Staubschutz mit den Schlauchschellen.
Hier wird auch ersichtlich, warum es einfacher ist die komplette Spurstange und nicht nur den Kopf zu wechseln:

  • Die Spurstange ist unter dem Staubschutz mit dem Lenkgetriebe verschraubt. Hier hat im Normalfall der Rost keine Chance und demnach geht die Verbindung leicht zu lösen.
  • Die Verbindung zwischen Spurstangenkopf und Spurstange ist jedoch der Korrosion ausgesetzt. Diese sitzt meist extrem fest und ist am Auto nur schwer zu lösen (siehe vergammelte Verbindung an der alten Spurstange).

 

Auf dem Bild sieht man sehr schön bei dem alten Spurstangenkopf das zerstörte Lager/Gelenk. Die Manschette ist durch die Trennkabel eingerissen und verliert das Schmiermittel. Dieser Kopf darf nicht nochmals verwendet werden.
Beim Zusammenbau der neuen Spurstange sind folgende Dinge zu beachten:

  • Der Sprengring muss mit der „offenen Seite“ (seht ihr, wenn ihr in der Hand habt) zum Spurstangenkopf aufgesetzt werden. Anders würde es auch nur schwer passen.
  • Der Spurstangenkopf sollte in etwa genauso weit in die Spurstange eingeschraubt werden, wie der alte Spurstangenkopf (damit zumindest in etwas die Räder gerade stehen).
  • Die konternde Mutter sollte noch nicht festgezogen werden. Das kommt ganz zum Schluss.
  • Eine Achsvermessung ist aber trotzdem nach dem Wechsel auf jeden Fall zu empfehlen!

 

Der Einbau ist dann wieder einfach: Die Spurstange am Lenkgetriebe einschrauben und festziehen (nicht übertreiben).

 

Den Spurstangenkopf mit einer neuen selbstsichernden Mutter am Aschschenkel befestigen. Ich habe das genaue Anzugsmoment gerade nicht im Kopf, aber wie immer gilt, dass die Verbindung fest sein sollte, aber nicht mit übermäßiger Gewalt festgezogen werden sollte.

 

Dann noch den Staubschutz in Position bringen und mit den Schlauschellen fixieren (das Bild ist leider etwas unscharf geworden). Zuletzt dann noch ggf. den Spurstangenkopf ein oder ausdrehen (falls die Räder komplett schief sind) und dann die konternde Mutter festziehen.

Anmerkung:
Bitte danach unbedingt eine Achsvermessung machen lassen. Auch wenn alles gerade aussieht und der Wagen nach einer Probefahrt gerade läuft (also nicht in eine Richtung zieht), ist die Spur verstellt und ihr habe ein schlechteres Fahrverhalten bzw. eventuell einen höheren Reifenverschleiß durch das „schief stehen“ der Räder.