Entscheidung für das richtige Fahrwerk

Nun stand endlich der Wechsel des Fahrwerks an.

Beim Fahrwerk scheiden sich zumeist die Geister. Jeder hat einen andere Vorstellung und andere Vorlieben. Das ganze Thema ist hoch subjektiv und teilweise auch emotional 😉

Spaß beiseite… 😉

Ich habe schon die unterschiedlichsten Fahrwerke in meinem Leben gefahren, welches mir die Entscheidung für für mein Ringtool jedoch nicht leichter gemacht hat. Hinzu kommen dann natürlich noch die wirtschaftlichen Aspekte. Im Folgenden versuche ich daher einfach mal meine Entscheidungsfindung darzustellen. Letztendlich muss das aber jeder für sich entscheiden.

 

Grundsätzliches zum Fahrwerk:

Das Fahrwerk besteht prinzipiell aus Stoßdämpfern und Federn (für jedes Rad). Zusammen sorgen beide dafür, dass das Rad wieder zurück auf den Boden gedrückt wird, um die maximale Auflagefläche der Reifen zu erzielen. Ohne das Fahrwerk wäre die Kraftübertragung zwischen Straße und Fahrzeug nicht vorhanden.
Im Endeffekt steht ein Auto mit seinen Reifen nur auf ca. 4 x handflächegroßen Auflagen auf dem Asphalt. Ist nun ein Rad in der Luft, verliert man prinzipiell Grip und damit Vortrieb und/oder Quertrieb.

Der Stoßdämpfer sorgt dafür, dass die Schwingungen der gefederten Massen bzw. des Rades schnell abklingen. Eigentlich müsste man ihn „Schwingungsdämpfer“ nennen. Die Stoßdämpfung dient nicht dazu, Stöße (z.B. durch Unebenheiten) abzufangen. Dafür ist die Federung zuständig.

Die Federung schützt den Wagen vor Stößen (verursachten durch Bodenunebenheiten) und vor längerem Anhalten der dabei erzeugten Schwingungen. Weiterhin sorgt Sie für eine gute Fahrdynamik, d.h. für möglichst gleichmäßige Bodenhaftung der Räder.

 

Folgende Fragen sollte man sich bei einem neuen Fahrwerk stellen:

  1. Wie bewege ich das Auto bzw. wozu brauche ich das Auto?
  2. Möchte ich ein Fahrwerk mit TÜV?
  3. Welchen Hersteller möchte ich haben (auch finanzieller Aspekt)?
  4. Welche Verstellmöglichkeiten möchte ich haben?

 

Mein Weg:

Frage Antwort
Ad. 1 Das Auto ist ein Ringtool und wird hauptsächlich auf der Rennstrecke bewegt. Ich möchte nicht mit dem Auto vor der Imbissbude nach dem Motto „mehr Schein als sein“ angeben müssen. Das Fahrwerk muss auf der Rennstrecke einiges aushalten können.

Auch bei Rennstrecken gibt es Unterschiede. Auf Gran-Prix-Strecken braucht man ein hartes und tiefes Fahrwerk, da dort kaum Bodenunebenheiten sind. Auf der Nordschleife sollte das Fahrwerk nicht zu tief und hart sein, da die Nordschleife extrem abwechslungsreich und teilweise holprig ist.

Ich werde mich hauptsächlich auf der Nordschleife rumtreiben… Und muss da auch erstmal hinkommen! Ich wohne zwar keine 4 Stunden entfernt, aber kann eben auch nicht gerade mal in der Mittagspause über die Nordschleife heizen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass es unterschiedliche Fahrwerk-Typen gibt:

  •  Stoßdämpfer und Federn sind selbst zusammengesucht (Pro: meist günstig und flexibel; Kontra: nicht abgestimmte Teile)
  •  Sportfahrwerke sind fest vorgegebene Stoßdämpfer/Federn-Kombis ohne Verstellmöglichkeit (Pro: kein Stress mit Einstellungen; Kontra: keine Einstellmöglichkeiten und meist eher für die Straße, aber nicht die Rennstrecke geeignet)
  •  Gewindefahrwerke sind fest vorgegebene Stoßdämpfer/Federn-Kombis mit Verstellmöglichkeit (Pro: Einstellmöglichkeiten und damit Flexibilität; Kontra: teurer als Sportfahrwerke, meist wird die Einstellung nur einmal vorgenommen und nie wieder geändert)
  •  Spezialanfertigungen sind Fahrwerke, die auf Kundenwunsch angefertigt und abgestimmt werden (Pro: alles; Kontra: Preis)

Da ich das Auto im Alltag nicht brauche, empfiehlt sich für mich also ein sportliches, nordschleifenerprobtes, aber nicht zu kompromissloses Gewindefahrwerk.

Ad. 2  Eindeutig: Ja

Das komplette Ringtool soll nachher eine Zulassung haben. Damit fallen reine Rennfahrwerke schon mal raus.

Ad. 3 Durch die Ausführungen zu Frage 1, habe ich mir eigentlich schon Frage 2 zu 50% beantwortet. Wer einfach nur vor der Imbissbude gut aussehen will, kann zu No-Name Produkten oder billigeren Fahrwerken greifen. Wer öfters auf der Rennstrecke unterwegs ist, braucht etwas standfestes. Bei mir blieben dann noch:

  • KW
  • H&R
  • Bilstein
Ad. 4 Wie oben schon beschrieben, sollte es auf jeden Fall ein Gewindefahrwerk sein. Bei einem Gewindefahrwerk kann man immer die Tieferlegung (im gewissen Rahmen) durch ein Gewinde selbst einstellen. Da ich kein zu tiefes Auto wollte, war dies für mich optimal.

Sportfahrwerke werden meist mit für die Nordschleife zu großen Tieferlegungen (z.B. 60 mm) ausgeliefert. Außerdem begünstigen Sportfahrwerke oft einen „Keileffekt“. Bedeutet, dass die Tieferlegung auf der Vorderachse höher ist als auf der Hinterachse und somit das Auto von der Seite keilförmig aussieht. Soll wohl möglichst sportlich aussehen, hat aber den Nebeneffekt, dass das Auto auf der Hinterachse „leichter“ wird. Das wollte ich nicht. Ich wollte eine möglichst gleiche Tieferlegung nach meinen Vorstellungen.

Bei der nächsten Stufe von Gewindefahrwerken kann man die Zug- und Druckstufe der Stoßdämpfer einstellen.
Ganz prinzipiell:

  •  Die Zugstufe bestimmt wie das Auto ausfedert.
  •  Mit der Druckstufe verstellt man das Einfedern. Das Auto wird dadurch „härter“.
  •  Im Endeffekt versucht man eine möglichst harmonische Schwingung zu erzeugen.

Bei meiner Entscheidung war ich mir nicht sicher, ob ich eine Zug- und Druckstufenverstellung brauchte. Ich bin jetzt nicht jedes Wochenende auf der Nordschleife unterwegs. Wenn ich einmal eine gute Einstellung gefunden hätte, hätte ich diese so belassen. Zudem sind Gewindefahrwerke mit Zug- und Druckstufenverstellung ca. doppelt so teuer wie Gewindefahrwerke ohne diese Verstellmöglichkeit.
Gute Gewindefahrwerke ohne Zug- und Druckstufeneinstellung haben meist auch eine schon von Werk aus sehr gute und harmonische Einstellung.

Aus Kosten Gründen und der Tatsache geschuldet, dass ich kein Dauerfahrer auf der Nordschleife sein werde, der nicht andauernd nach der letzten 1/10 Sekunde geiert, habe ich mich für ein gutes Gewindefahrwerk ohne Zug- und Druckstufenverstellung entschlossen.

Nochmal Ad. 3 Alle drei Anbieter bieten gute Gewindefahrwerke an, die zu meinen Anforderungen gepasst haben. Ich habe viel über die Unterschiede und Gleichheiten in Foren gelesen und im Endeffekt sind doch alle Gewindefahrwerke mit diesen Anforderungen ähnlich. Es ist eine Glaubensfrage…

Ich entschied mich für das Fahrwerk, welches mir die beste Preis-Leistung gab:

Ein Bilstein B14.