Radnabe vorne wechseln & Ankerbleche für Bremsenbelüftung vorbereiten

Im April/Mai 2018, also zum Start der neuen Saison, wollte ich dann noch meine Radlager vorne wechseln und bei der Gelegenheit gleich Vorbereitungen an den Ankerblechen für eine bessere Bremsenbelüftung treffen.

Ziel bei der Bremsenbelüftung sollte eine direkte Belüftung der Bremsscheiben von hinten sein. Standardmäßig belüftet BMW die Bremsen über Luftkanäle von der Frontstoßstange in den Radkasten. Hierbei kommt allerdings relativ wenig Luft an der Bremsscheibe an und diese kann speziell auf der Rennstrecke überhitzen. Diese Standardbelüftung möchte ich gerne beibehalten und zusätzlich noch die direkte Belüftung einbauen. Später werden die Nebelscheinwerfer ausgebaut und dafür ein Lufteinfangtrichter eingebaut. Die so eingefangene Luft wird dann mittels Belüftungsschläuchen über den Fahrzeugboden, den Stabi und Querlenker direkt hinter die Bremsscheibe an das Ankerblech geliefert. Das Ankerblech hat eine Aussparung für den Belüftungsschlauch und liefert somit die Frischluft direkt an die Bremsscheibe. Wie das Ganze gemacht wird, zeige ich euch in einem Folgepost. In diesem Post zeige ich euch den Einbau des dazu passenden Ankerblechs und damit gleich den Einbau der Radnaben/Radlager (diese hatten ihre besten Tage bereits hinter sich) vorne.

 

Zuerst natürlich das Auto vorne aufbocken, die Vorderräder abnehmen, damit die Bremsanlage freiliegt. Meine Bremsscheibe sieht hier nicht so schön aus, da das Auto die letzten 5 Monate eigentlich nur gestanden hat. Nach der ersten Ausfahrt dieses Jahr sieht das dann wieder besser aus 😉 Die Bremsanlage muss nun komplett demontiert werden. Wie das geht, habe ich bereits in diesem Post gezeigt.

 

Sodann sieht man auch direkt die Radnabe (hierauf war die Bremsscheibe montiert) und das dahinterliegende (große) Ankerblech. Das Ankerblech schützt einerseits die Bremsscheibe vor Schmutz und andererseits die dahinterliegenden Lager (z.B. vom Querlenker und der Spurstange) vor der Hitze der Bremsscheibe. Deshalb wird das Ankerblech auch durchaus mal Hitzeschutzblech genannt. Genau diese Tatsache hatte ich irgendwie etwas verdrängt, welches mir später noch etwas zu Problemen führen sollte…

 

Zuerst muss der Staubschutzdeckel von der Radnabe entfernt werden. Da dieser sehr fest sitzt und mit der Radnabe sowieso erneuert werden sollte, kann man ihn einfach mit einem Schraubendrehen und einem Hammer lösen und herunterschlagen. Danach liegt die 46er Mutter frei, welche die Radnabe festhält. Diese Mutter ist nochmal mittels einer kleinen Nut gesichert (siehe auf dem Bild im roten Kreis). Diese Nut muss zuerst mit z.B. einem Schraubendreher und einem Hammer herausgeschlagen bzw. geöffnet werden.

 

Die Mutter kommt da aber nicht von alleine raus… Sie ist mit 290 NM festgezogen und wahrscheinlich über die Jahre noch etwas festgegammelt. Hier kommt ihr mit normalem Werkzeug nicht weiter. Ich habe mir hierfür ein „Männerwerkzeug“ gebaut (siehe Bild). Als erstes habe ich mir eine mittelmäßige Ratsche im Baumarkt gekauft. Warum mittelmäßig? Na ja, sie darf nicht zu billig und schlecht sein, da sie gleich eine enorme Kraft aushalten muss, darf aber auch nicht zu teuer sein, da die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie kaputt mache relativ groß ist. Diese Ratsche habe ich dann auf ein 1,5 m langes Vierkantstahlrohr als Verlängerung gesteckt. Und dann natürlich vorne auf die Ratsche die 46er Nuss zum öffnen der Mutter. Mit vollem Körpereinsatz klappt dann auch das öffnen der Mutter (hier auf dem Bild schon geschehen). Was für Kräfte hier wirken seht ihr am Anfang des Stahlrohres, gerade da wo die Ratsche anfängt. Durch die Hebelkraft hat es sich hier etwas verbogen.

Deshalb ist eines auch sehr sehr wichtig:
Die Kraft zum lösen (und später auch zum Festschrauben) der Mutter, sollte immer nach unten wirken. Also auf den linken Fahrzeugseite drück ihr sozusagen vor dem Auto den Hebel nach unten, um die Mutter zu lösen. Wendet ihr die Kraft nach oben an, könnte es passieren, dass ihr das Auto von den Wagenheberauflagen runterhebelt und es euch von den Stützen/Auflagen fällt!

 

Die Mutter abzubekommen war schon mal harte Arbeit, aber die Radnabe an sich kommt auch nicht von selbst runter. Am besten ihr besorgt euch einen guten Lagerabzieher mit drei Beinen (siehe Bild). Das Ansetzen ist zwar etwas fummelig, aber dafür ist das Abziehen dann umso einfacher. Damit der Abzieher besser anzusetzen geht, habe ich auf die Radnabe in der Mitte noch eine kleine Nuss gelegt. Dann kann der Abzieher direkt mittig auf der Nuss angesetzt werden und verschwindet nicht gleich in der Nabe.

 

Hier ist nun das abgezogene Lager zu sehen. Das Lager war schon relativ am Ende.

 

Beim Abziehen des Lagers verbleibt jedoch meistens die hintere Lagerhülse und die Staubschutzkappe auf dem Holm. Auf dem Bild habe ich beide bereits abgezogen. So einfach ist das leider wieder nicht. Um die Dinger ab zu bekommen, entfernt ihr am besten erst mal das Ankerblech. Davon habe ich jetzt leider keine Fotos gemacht, das ist aber ganz einfach:

  1. Das Ankerblech ist mit drei Sechskantschrauben am Schenkel festgeschraubt.
  2. Die Schrauben einfach lösen.
  3. Dann das Ankerblech mit etwas Kraft abziehen. Es könnte etwas schwer gehen, da die alte Staubschutzmanschette vom Radlager noch dran ist und dies etwas behindert, aber es geht.

Um nun die Lagerhülse und den Staubschutz zu entfernen setzt ihr am besten wieder den dreibeinigen Lagerabzieher am Staubschutz an. Das ist wieder fummelig, geht aber. Somit könnt ihr die Hülse und den Staubschutz wieder relativ einfach abziehen.

 

Wenn das alles geschafft ist, habt ihr alle Teile wie auf dem Bild zu sehen abmontiert.

 

Am Anfang des Posts hatte ich bereits beschrieben, dass ich die Ankerbleche dahingehend modifizieren werde, dass es möglich ist von hinten einen Schlauch mit frischer Fahrtluft anzuschließen. Hierfür gibt es spezielle Ankerbleche aus Aluminium, die genau so eine Öffnung gewährleisten (siehe Bild). Dir originalen Ankerbleche werden einfach (nicht ganz so einfach, wie sich später noch zeigt) durch diese neuen Bleche ersetzt. Für den normalen E46 (damit meine ich keinen M), gibt es diese Bleche leider nicht, weshalb ich einfach die Bleche für den M genommen habe. Die Achsschenkel sind sehr ähnlich, weshalb hier nur minimale Anpassungsarbeiten durchgeführt werden müssen.

 

Und zwar sind die Belche unten etwas zu lang, weshalb diese dann am Querlenker abstehen würden. Was macht man dann? Einfach die Flex rausholen und die Bleche ca. 2-3 cm abflexen. Damit die Enden nicht ganz blank sind, habe ich sie noch mit Unterbodenschutz konserviert.

 

Danach passt alles perfekt. Auf dem Bild ist das neue montierte Ankerblech zu sehen. Hier sieht man auch die drei Sechskantschrauben, mit welchen es befestigt ist. Ganz unten auf dem Bild kann man erkennen, dass das Blech ohne die Kürzung nicht am Querlenker vorbei gepasst hätte. Hier sieht man nun auch schön die Öffnung für den späteren Belüftungsschlauch.
Wichtig ist hier noch zu sagen, dass die komplette Auflage der Radnabe vor den nächsten Schritten zuerst gut von Schmutz gereinigt werden sollte. Das muss schön glänzen. Hier am besten Bremsenreiniger nehmen.

 

Ganz wichtig, die neue hintere Staubschutzmanschette für die Radnabe nicht vergessen. Die Manschette am besten grob ansetzen und dann mit dem alten Lager davor draufschlagen. Danach natürlich alles wieder schön sauber machen (ist auf dem Bild noch nicht erledigt).

 

Hier nun mal die alten Radnaben unten und die neuen Naben von FAG oben. Das Radlager ist übrigens in der Radnabe integriert und kann meines Wissens an der Vorderachse nicht alleine, sondern immer nur mit der Nabe, gewechselt werden.

 

Die neue Nabe geht eigentlich ganz einfach wieder drauf, man muss nur wissen wie. Macht man hier allerdings etwas falsch, muss die neue Nabe wieder abgezogen werden. Beim Abziehen ist die Wahrscheinlickeit allerdings sehr hoch, dass das Lager in der Nabe beschädigt wird und man sich eine neue Nabe kaufen darf. Deshalb hier mit Ruhe und Bedacht arbeiten.
Im Endeffekt braucht man nur die 46er Nuss und eine Lagerhülse des alten Lagers (linkes Bild). Die Hülse setzt man in die Nuss (rechtes Bild).

 

Nun wird die neue Nabe mittig angesetzt. Achtet darauf, dass es nicht schief angesetzt wird, sonst verkantet es. Danach nehmt ihr die Nuss mit der Hülse als Adapter und setzt dieses vorne auf das Lager/die Nabe auf. Mit ein paar beherzten, aber dennoch gefühlvollen Hammerschlägen auf die Nuss rutscht nun das Lager/die Nabe langsam auf den Holm. Das sollte relativ einfach gehen. Ihr braucht hier nicht viel Kraft bei den Hammerschlägen anzuwenden. Aber natürlich auch nicht nur die Nuss mit dem Hammer streicheln 😉

 

Habt ihr die Nabe weit genug drauf geschlagen, könnt ihr zuerst einmal die alte Mutter ansetzen und die Nabe mit dieser Mutter weiter nach hinten ziehen.

 

Warum zuerst mit der alten Mutter? Na ja, die Mutter muss im Endeffekt mit 290 NM wieder angezogen werden (siehe Bild). Wenn ihr nun die Nabe mit der Mutter weiter aufzieht und dann direkt mit dem Drehmomentschlüssel festzieht, kann dies das Drehmoment verfälschen. Wenn ihr aber nun diese Prozedur zuerst mit der alten Mutter macht, diese danach wieder aufschraubt und entfernt und dann erst die neue Mutter verwendet und mit dem richtigen Drehmoment festzieht, passiert dies nicht.

 

Wenn dann die neue Mutter drauf ist und mit 290 NM festgezogen wurde, natürlich nicht vergessen die Sicherung wieder einzuschlagen. Dafür am besten den äußeren Ring der Mutter etwas ansägen und dann mit einem Schraubendreher einschlagen (siehe linkes Bild im roten Kreis). Zu Schluss dann natürlich die vordere neue Staubschutzkappe wieder aufsetzen (rechtes Bild).

 

Ich hatte bereits mehrfach angedeutet, dass es mit den neuen Ankerblechen zu Problemen kommen würde. Dies offenbarte sich mir, als ich die Bremsscheibe wieder auf die neue Radnabe montierte. Wie bereits erwähnt, schützen die Ankerbleche nicht nur die Bremsscheibe vor Schmutz, sondern auch die Lager der Radaufhängung vor der Hitze der Bremsscheibe. Das neue Ankerblech war nun etwas zu klein, weshalb vor allem die Spurstangenköpfe nun ohne Schutz hinter der Bremsscheibe lagen. Das Querlenkerlager war gerade noch so abgeschirmt, aber eben nicht die Spurstangeköpfe. Ich wollte es jetzt nicht darauf ankommen lassen, dass mir die Lager der Spurstangenköpfe wegschmilzen und ich diese ersetzen muss oder sogar deswegen einen Unfall baue. Das Problem war nur, dass ich bereits die neue Radnabe auf beiden Seiten montiert hatte und damit ohne die Radlager zu zerstören nicht mehr runter bekam. Somit konnte ich das Ankerblech nun nicht mehr wechseln/modifizieren. Nach ein paar Tagen des Nachdenkens kam mir aber eine sehr gute Idee: ich verbaue einfach beides, die neuen und die alten Ankerbleche, ohne die Radnaben nochmal abziehen zu müssen.

 

Die alten Ankerbleche waren größer, als die neuen Bleche und schirmten natürlich ideal die Wärme der Bremsscheibe von den Lagern der Radaufhängung ab. Ich konnte aus genannten Gründen allerdings jetzt nicht die kompletten alten Bleche nochmal montieren, weshalb ich mit einer Blechschere den ganzen mittleren Teil der alten Ankerbleche entfernte (siehe Bild). Somit konnte ich das alte Ankerblech nun um das neue Ankerblech herumbauen und an den drei original Aufnahmepunkten beide verschrauben (an diese Schrauben kommt man nämlich ran, ohne die Radnabe abziehen zu müssen).

 

Natürlich mussten die Schnittkanten wieder versiegelt werden (linkes Bild). Auf dem rechten Bild seht ihr dann die beiden bearbeiteten und versiegelten alten Ankerbleche.

 

Und so sieht das Ganze dann montiert aus. Wie gesagt, beide Bleche sind übereinander an der originalen drei Aufsatzpunkten angeschraubt.

 

Mit Bremsscheibe sieht das Ganze dann wieder viel besser aus. Alle Lager der Radaufhängung sind nun vor der Hitze der Bremsscheibe abgeschirmt. Jetzt kann ich auch wieder beruhigt schlafen! Wichtig ist nur jetzt darauf zu achten, dass die Bremsscheibe nicht am alten Ankerblech schleift, da dieses ja „über“ dem neuen Ankerblech sitzt. Eventuell muss das alte Ankerblech, bzw. was davon übrig geblieben ist, etwas gebogen oder mit dem Hammer bearbeitet werden.
Danach einfach wieder die komplette Bremsanlage montieren. Wie das geht, seht ihr hier.

 

Da meine Bremsbeläge vorne schon ziemlich runter waren, nahm ich die Chance gleich wahr und erneuerte diese zusammen mit dem Warnkontakt zum Bremsbelagverschleiß mit. Auf dem Bild gibt es nur ein Kabel, welches neu aussieht, das ist der Warnkontakt 😉

 

Rechts unten auf dem Bild ist das Ende des Warnkontaktes zu sehen. Dieser wird dann in den Bremsbelag eingeclipst. Wenn der Bremsbelag runter ist, ist auch der Kontakt angefahren und es ist eine Warnmeldung im Cockpit zu sehen.

 

Hier nochmal der alte, bereits angefahrene, Kontakt.

 

Und so sieht das Ganze nun von vorne wieder komplett zusammengebaut mit neuem Bremsbelag aus.